Briefe aus dem Busch – Sambia Malawi 2010

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„Wenn Ihr einen Brunnen seht, macht euch die Mägen voll.“ oder: Warum Afrika immer kleiner wird

Das war die Sambia-Malawi-Tour 2010

 

Am 30.10.2010 beschlossen wieder 5 „Musungus“ ihr Schicksal in die Hände von Klingetours zu legen und in Richtung Afrika aufzubrechen. Nach der Zugfahrt, mehrstündigem Flug mit Zwischenstopps in Addis Abeba und Harare, landeten wir am 31.10.10, 15.00 Uhr endlich in Lusaka. Die Einreiseformalitäten waren – mit etwas finanziellem Zusatzaufwand an den Immigration Officer – „schnell“ erledigt und Burkard konnte uns endlich dem lang ersehnten „ersten Zisch“ des kalten „Castle“ Bieres überlassen.

Nun waren wir also in Afrika.

Die Fahrt von Lusaka nach Kabwe verlief wenig spektakulär über eine breite und gut ausgebaute Teerstrasse. In Kabwe angekommen, kamen wir wegen Burkards Lodge aus dem Staunen nicht mehr raus – alles neu, alles sauber, erstklassige Zimmer und Chalets, gutes Essen und kaltes Bier.

Am 02.11.10 beginnt das eigentliche Abenteuer. Nach anderthalb stündiger Fahrt mit den Mopeds über Teerstrassen erreichen wir den Bahnhof in Kapiri Mposhi. Nachdem wir die „Knatterbüchsen“ per Muskelkraft verladen haben, bestiegen wir unser Schlafabteil der ersten Klasse des TAZARA Zuges. (TAnzania-ZAmbia-RAilway).

Seit der Fertigstellung der Linie durch die chinesischen Erbauer im Jahre 1976 scheint sich nicht mehr viel getan zu haben. Die ein oder andere handwerklich nicht unbedingt geschickt ausgeführte, jedoch haltbare Schweißnaht, Kunstlederklappbetten und Stöcke als Ersatz für die mittlerweile funktionslosen Verriegelungen der Zugfenster haben ihren ganz eigenen Charme. Aber ganz im Stile seiner sozialistischen Vergangenheit befindet sich wenige Waggons entfernt der „MITROPA-Wagen“. Hier gab es für wenig Geld richtig gutes Essen, kalte Cola und ebenso kaltes Bier.

Ungefähr 1000km und 20 Stunden später erreichen wir am 03.11.10 nach relativ ruhiger Zugfahrt die Grenzstadt Nakonde. Das nächtliche Gewitter ist abgezogen und sollte auch das einzige der ganzen Tour bleiben.

Nach dem Entladen der „Knatterbüchsen“ (wieder per Hand) und dem Beheben eines kleinen technischen Defektes am Begleitfahrzeug geht es über 82 Kilometer gut und schnell zu fahrende Schotterpiste an die sambianisch-malawische Grenze. Hier konnte man mit seiner „Knatterbüchse“ endlich „Freundschaft schließen“ – oder im Falle von Gunter auch nicht.

Im ca. acht Kilometer breiten Streifen Niemandsland zwischen den Grenzen beider Staaten schlagen wir unser Nachtlager in einem ausgetrockneten Flussbett auf und haben uns ein kaltes Castle redlich verdient.

Der 04.11.10 beginnt sonnig und nach 8 km Gravel Road wird der „Checkpoint Cola“ an der malawischen Grenze erreicht. Es ist immer wieder erstaunlich, wie freundlich und hilfsbereit die Einheimischen sind und woher sie immer wieder Getränke zaubern, die beim Aufmachen gefrieren. Und das bei 35 Grad Celsius im Schatten! Zwei Stunden und 2 Liter Cola (pro Kopf) später kommt das Begleitfahrzeug auch in Sicht und die Grenze kann gemeinsam passiert werden.

Die Strecke in Richtung Karonga zieht sich in die Länge. Sie ist gut zu befahren aber öde, da wir über zig Kilometer durch eine Strassenbaustelle der Chinesen fahren müssen. Später finden wir den Grund für die emsige Verbreiterung heraus – die Chinesen betreiben eine Uran Mine in den Bergen von Malawi.

Die Nacht verbringen wir sehr angenehm an einem etwas abseits der Strasse gelegenen, noch wasserführenden Fluss. Thomas versucht sich mit dem Messer aus seinem „Überlebenspack“ als Jäger. Muss jedoch recht schnell einsehen, dass ein Wildschwein doch schneller ist und sich von ca. 15 cm Klingenlänge aus alten DDR-Beständen auch nicht sonderlich beeindruckt zeigt.

Am Lagerfeuer muss dann auch Klinge einsehen, dass sich 40- prozentiger Whisky nicht zum Feuerspucken eignet.

Am 05.11.10 setzt sich die Fahrt über weitere wenig spektakuläre 60 km „Chinesenpiste“ bis Karonga am Malawisee fort. Hier in der direkt am Ufer des Malawisee gelegenen „Mufwa Lakeside Lodge“ schlafen wir wieder eine Nacht in einem normalen Bett.

Der 06.11.10 beginnt mit 30 Grad im Schatten und 37 Grad in der Sonne – und das um 08.00 Uhr morgens!

An der Tankstelle werden wir plötzlich von einer Vielzahl von laut schreienden und wild gestikulierenden Einheimischen umringt. Zunächst ist nicht klar, was das soll. Es fällt allerdings auf, dass fast jeder von ihnen 5 bis 10 Liter Sprit in Flaschen oder Kanistern in den Händen hält. Schnell folgt die ernüchternde Erkenntnis dass es in ganz Malawi keinen Sprit gibt, die Ansammlung der Einheimischen der Schwarzmarkt für geschmuggelten tansanischen Sprit ist und der Markt den Preis diktiert. 2,50 Euro ist die Ansage für einen Liter, der wir uns zähneknirschend beugen müssen. Jeder tankt um die 5 bis 7,5 Liter und ist damit aus dem Gröbsten raus.

Das Nyika Plateau mit der Livingstonia Mission ist damit gestorben, ca. 120 km werden gespart und es geht auf direktem Weg weiter in Richtung Luangwa Valley.

Nach 80 Kilometer Teerstrasse erreichen wir das ebenfalls direkt am Ufer des Malawisees gelegene „Chitimba Beach Camp“. Auf der Zufahrt muss ich feststellen, dass Tiefsand mitunter auch einer „Knatterbüchse“ zu einem eigenen Willen verhelfen kann. Dies führt dann dazu, dass die Teneré kurz vor einem Baum im Graben endet und der Tank jetzt rechts und links die gleichen Dellen hat.

Am 07.11.10 herrschen um 09.40 Uhr bereits 37 Grad im Schatten und 50 Grad in der Sonne. Es geht weiter über 80 km Teerstrasse und 40 km „ordentliche“ Enduropiste in Richtung sambische Grenze.
Auf den letzten Kilometern Enduropiste erwirbt sich Gunter den Kampfnamen „Freestyler“, da er sich an einem „Three-sixty“ versucht und dabei Zündschlüssel und Gepäckträger der Honda verbiegt. Die Rücklichtbirne bleibt auch irgendwie auf der Strecke.

In Katumbi bauen wir mitten im Dorf und vor dem Krankenhaus unser Nachtlager auf, sehr zur Unterhaltung der Dorfbewohner. Da im Krankenhaus katastrophale Zustände herrschen, schmeissen wir unsere restlichen Malawi-Kwacha (das ist die Währung in Malawi) zusammen und kaufen im gegenüberliegenden Supermarkt Seife, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Waschschüsseln für das Krankenhaus.

Am 08.11.10 werden wir nach 145 km heißer, heftiger Gravel Road und einer Durchquerung eines Nationalparks (hier gibt es die ersten Elefanten und Großkatzenspuren) Chama erreichen.

Hier wird der „Freestyler“ schnell im Krankenhaus geröntgt und für weiterhin fahrtüchtig befunden.
Meiner Teneré geht zwischendurch der Sprit aus und wir müssen Inge und seinen „Versorgungstanker“ anzapfen. Thomas schafft es mit dem letzten Tropfen an die Kneipe. Es ist unglaublich wie gut eiskaltes Bier schmecken kann…

Der 09.11.10 ist geprägt von Hitze und 110 km zum Teil nerviger Gravel Road. Kilometerlange Strecken durch ausgetrocknetes Moor mit Aneinanderreihung von kindskopfgroßen Löchern. Es ist immer wieder faszinierend, was die Mopeds aushalten.

Der Einstieg ins Luangwa Valley erfolgt und die Temperaturen steigen weiter an. Hier prägt Burkard den „Leitspruch“ der Tour: „Wenn Ihr einen Brunnen seht, macht euch die Mägen voll.“

Dies wird die erste „Buschnacht“ werden. Das angepeilte Jägercamp direkt am Luangwa River erweist sich als bereits verlassen und die Hütten sind nur noch als Gerippe vorhanden.

Nachts brüllen Löwen, schreien Hyänen und die Musungus schlafen im Zelt.

Am 10.11.10 geht es 13.00 Uhr und bei über 40 Grad los und wir haben 80 km vor uns. Es kommen die ersten Tiefsandpassagen und auch hier will die Teneré nicht so wie ich. Nach dreimaligem Absteigen ohne den Seitenständer vorher ausgeklappt zu haben, habe ich es echt satt. Die Strecke hat aber auch ihre schönen Seiten und die ersten Tiere sind vom Mopped aus zu sehen. Antilopen und Affen kreuzen den Weg. Ob hier wohl die Teilkasko zahlt?

Am frühen Abend erreichen wir das „Wildcamp“ in Chifunda und der Fluss soll voller Krokodile sein. Jeder sitzt nun am Flussufer und versucht etwas zu entdecken.

Der 11.11.10 ist Ruhetag und wir verbleiben im Wildcamp. Wir sitzen bei 37 Grad im Schatten und 47 Grad in der Sonne am Fluss, trinken mehr oder weniger kaltes Bier und beobachten Tiere. Eine kleinere Elefantenherde quert in einiger Entfernung und eine Pavianherde kommt zum Trinken an den spärlich fließenden Fluß. In weiterer Entfernung zeigt sich ein Hippo. Zum Mittag werden selbstgebackene Krapfen, auch Vitumbua genannt, kredenzt.

Am 12.11.10 werden 116 km Buschroad bei 40 Grad im Schatten abgerissen. Die Strecke hat wieder etliche Tiefsandpassagen zu bieten. Die Teneré und ich sind uns jetzt aber einig.

Die Strecke zum Brunnen wird uns durch einen in einer kleinen trockenen Flussdurchfahrt stecken gebliebenen Kleinlaster versperrt. Zunächst scheint es, als ob alle 3 Insassen mit der Bergung beschäftigt seien. Es stellt sich jedoch heraus, das weitere sechs auf der Ladefläche herumhocken und auf ein Wunder zu warten scheinen. Nach einem kurzen Anpfiff sind dann alle beteiligt. Nach ca. 45 min ist der LkW frei und es geht weiter zur „Luambe Wilderness Lodge“ im Luambe National Park. Hier finden wir einen Fluss voller Hippos und Krokodile vor. Wir genießen bei einem Grunzkonzert der Hippos einen herrlichen Sundowner am Fluss.

Thomas hat es wieder einmal mit dem letzten Tropfen ins Camp geschafft. Der Sprit wird wieder knapp.

Der 13.11.10 führt uns nach Mfuwe ins „Wildlife Camp“. Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt und 105 km mit wenig Sand sind wir am Ziel. Zwischendurch kann jeder die herrliche Landschaft und die Tierwelt bei der Durchfahrt durch den Nsefu-Sektor Nationalpark genießen. Thomas schafft es zum 3. Mal mit dem letzten Tropfen ins Camp. Hier hat eine diebische Affenbande das Sagen und klaut Lebensmittel aus unserem Jeep. In 5 Meter Entfernung laufen zwei Elefanten vorbei. In Mfuwe können wir dann wieder volltanken.

Den 14.11.10 verbringen wir wieder als Ruhetag. Im weitgehend trockenen Flussbett zeigen sich Giraffen, Antilopen und Elefanten. Im Camp: Affen, Maguren und Elefanten. Abends gibt es unmittelbar neben dem Zelt von Klinge etwas Trouble mit drei Elefanten. Riesen Getröte und Drohgehabe zwingen Klinge aus seinem Zelt. Was das genaue Problem ist, kann keiner sagen. Die Camp-Security braucht 30 Minuten und eine Vielzahl von leeren Flaschen und Steinen als Wurfgeschosse, um die Elefanten zu vertreiben.

Am 15.11.10 nehmen wir 50 bis 60 km zum Teil sehr steinige und tiefsandige Gravel Road unter die Räder und erreichen gegen 15 Uhr das Wildhüterausbildungscamp. Hier sieht es aus wie in einer DDR Ferienanlage an der Ostsee. Ist es aber nicht und wurde auch nicht mit Hilfe der DDR gebaut, sondern im Jahre 1966 durch die Briten. Es gibt bis jetzt kein Trinkwasser und aus dem Hahn kommt braune Brühe aus dem Fluss. Diese Nacht wird die wärmste der gesamten Tour werden.

Ab dem 16.11.10 führt uns aus der Weg aus dem Valley und über 725 km bis nach Kabwe zurück. Ab dem 20.11.10 halten wir uns bis zu unserer Heimreise in Kabwe auf, gehen abends aus und legen den Grundstein für eine neue Schule (sowohl real vor Ort, als auch finanziell) und übergeben die mitgebrachten Fußbälle.

Mit afrikanischen Grüßen

Dirk

Musungus auf der Tour: Klinge, Thomas, Inge, Gunter und Dirk

30.10.10 bis 31.10.10 – Hinreise von Leipzig, Frankfurt/ Main, Addis Abbeba, Harare nach Lusaka

01.11.10 bis 02.11.10 – Aufenthalt bei Burkard in Kabwe

02.11.10 – Fahrt zum Zug Richtung. Kaipiri Mposhi

03.11.10 – Ankunft nach 20 Stunden Fahrt und ca. 1000km in Nakonde an der tansanischen Grenze, 82 km Fahrt zur Grenze Sambia/ Malawi

04.11.10 – Grenzübertritt nach Malawi, ca. 100 km bis zum Lager am Fluß

05.11.10 – 60 km bis Karonga am Malawisee

06.11.10 – 80 km bis Chitimba Beach Camp am Malawisee, kein Sprit in Malawi

07.11.10 – 120 km Richtung. sambische Grenze, Katumbi

08.11.10 – 145 km nach Chama

09.11.10 – 110 km ins Luangwa Valley (Die Durchquerung des Valleys von Nord nach Süd, dem Flußverlauf folgend)

10.11.10 – 80 km Chifunda

11.11.10 – Ruhetag im Camp

12.11.10 – 116 km Luambe National Park.

13.11.10 – 105 km Mfuwe

14.11.10 – Ruhetag im Camp

15.11.10 – 60 km Wildhütercamp

16.11.10 – 160 km raus aus dem Valley nach Petauke

17.11. 10 – 170 km Teer in Rtg. Luangwa, „Bridge Camp“

18.11.10 – 230 km Teer ins Rtg. Lusaka, “Pioneer Camp”

19.11.10 – 165 km Teer bis Kabwe zum Ausgangspunkt

20.11.10 bis 24.11.10 Kabwe mit Grundsteinlegung Schulprojekt, Verteilung der mitgebrachten Fußbälle

24.11.10 bis 26.11.10 Rückreise von Kabwe, Lusaka, Addis Abeba, Frankfurt/ Main nach Leipzig

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